«Schläft es denn schon brav durch?» Wissenswertes zum Babyschlaf
- Lilavendel St.Gallen
- 17. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Eine der ersten Fragen, mit der Eltern nach der Geburt konfrontiert werden ist:
«Schläft es denn schon brav durch?»
Diese gutgemeinte Frage impliziert leider so vieles: als sei es das oberste Ziel von Eltern, dass das Kind schnell durchschlafen kann oder auch, dass Kinder «brav» sein müssen und auf keinen Fall die Nachtruhe der Eltern stören dürfen.
Warum schlafen die Babys denn nicht von Natur aus durch?
Es gibt mehr Gründe für das nächtliche Aufwachen als für ein frühes Durchschlafen!
Vielleicht hat das Baby einfach Durst, füllt gerade die Windel oder möchte sich einfach nur vergewissern, dass Mama oder Papa in der Nähe sind. Jeder Entwicklungsschritt und jedes Erlebnis am Tag werden von den Kleinen im Schlaf verarbeitet, was eben zu unruhigeren Nächten führen kann.
Wenn man sagt, dass ein Baby durchschläft, meint das, dass es 5-6 Stunden am Stück schläft, ohne nach den Eltern zu rufen. Danach braucht es «Weiterschlafbrücken» in Form einer Milchmahlzeit, Streicheln oder Wiegen, um nochmal ein bisschen weiter schlummern zu können.
Wie viel Schlaf braucht ein Baby?
Babys der gleichen Altersklasse können einen sehr unterschiedlichen Schlafbedarf haben. Mit 6 Monaten schlafen zum Beispiel manche Babys noch insgesamt 18 Stunden in 24 Stunden und andere nur noch 11 Stunden. Wichtig ist, dass sich Eltern hierbei nicht an Tabellen orientieren, sondern ihr Kind beobachten, wie viel oder wenig Schlaf es braucht, damit es gut durch die nächste Wachphase kommt und dennoch genug Müdigkeit für den ruhigen Nachtschlaf hat.
Die Schlafentwicklung läuft nicht linear. Es wird Phasen geben, in welchen das Baby sicher 5-6 Stunden durchschläft und dann wieder weniger lang, vielleicht weil es vom Zahnen, einem Infekt oder einem Entwicklungsschritt auf Trapp gehalten wird. Es ist normal, wenn das Baby mindestens im ganzen ersten Lebensjahr mehrmals pro Nacht nach Nähe und einer Milchmahlzeit verlangt. Auch wenn die Häufigkeit des nächtlichen Aufwachens mit zunehmendem Alter abnimmt, so wachen doch die meisten Kinder bis zu einem Alter von 3-4 Jahren noch in der Nacht auf und brauchen die Unterstützung der Eltern.
Kann ich mein Baby trotzdem darin unterstützen, dass es nachts länger am Stück schläft?
Damit ein Baby einen beständigen Tag-Nacht-Rhythmus entwickeln kann, ist es hilfreich, wenn Eltern den Tagesablauf mit Mahlzeiten, Aktivitäten und Schlafenszeiten täglich gleichbleibend strukturieren.
Der Tagschlaf darf im Hellen und mit Umgebungsgeräuschen stattfinden.
Wenn das Baby nachts vor allem Nähe und Körperkontakt tanken möchte, kann man diese bewusst am Tag intensivieren, indem man Kuschelzeiten einplant oder den Spaziergang in der Trage/Tragetuch anstatt im Kinderwagen macht.
Ein entspannendes Abendritual im Dämmerlicht hilft dem Kleinen sich auf die Nacht einzustimmen.
Ich fühle mich so müde durch das häufige nächtliche Aufwachen. Was kann ich tun?
Die Schlafentwicklung lässt sich nicht wesentlich beschleunigen, aber man kann die Umstände optimieren, damit man möglichst erholt am Morgen ankommt. Manchen Müttern hilft es zum Beispiel, wenn sie das Baby direkt neben sich schlafen lassen, damit sie zum Stillen nicht aufstehen müssen und dabei weiterdösen können. Auch rate ich vom sogenannten Baby-Tracking ab, also dass man die Milchmahlzeiten und den Schlaf in einer App dokumentiert. Denn das Handy hält nachts unnötig wach und das Tracking sagt nichts darüber aus, wie erholt sich die Mutter am nächsten Morgen fühlt.
Es ist sinnvoll, sich auch tagsüber mindestens einmal eine Pause zu gönnen, wenn das Kleine schläft. Wenn man sich akut erschöpft fühlt, kann es hilfreich sein, abends früh gemeinsam mit dem Kleinen ins Bett zu gehen, zumindest so lange, bis man wieder etwas mehr Energie verspürt.
Schliesslich gibt es auch die Möglichkeit einer Schlafberatung, in welcher mit einer Fachperson der Schlafbedarf des Kleinen analysiert wird, die Schlafroutine optimiert und die Ressourcen besprochen werden.
Eva Monteneri
Stelline Familienbegleitung
Schlafberaterin




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